LAUTER LEBEN mit ALWAYS ULTRA

„WE ARE ALWAYS ULTRA“

ALWAYS ULTRA, das sind Steffi und Fanny oder TOMOKO & FANNYLLA ICE, das hängt von der Tageszeit & den Umständen ab. Zusammen veranstalten sie Techno-Parties und richten ihren Fokus auf die Förderung und Vernetzung von Künstlerinnen und Musikerinnen.

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IM CLUB. Viertel vor drei, Primetime im Club des Vertrauens. Das Feld wird unübersichtlich, Beschleunigung in alle Richtungen, die Konturen verschwimmen. Der typische Effekt, wenn man mit Warpgeschwindigkeit reist. Die Sterne um und unter uns werden zu Linien, bilden Gitter und fast unmerklich verstrickt sich meine Geistesgegenwart in einem losen Gewebe aus gleißendem Licht.

Das Strobo wird mal wieder zum Korrektiv und stanzt passgenaue Szenen aus der Mitte der Nacht. Der Bass bricht sich Bahn und marschiert einmal quer durch my very own Bindegewebe.

Der Beat ist zwingend und wird von den Vocal-Samples des wummernden Cleric-Tracks nochmals zugespitzt: „Let the Beat control your body“. Ein Blaupausen-Stück, wie gemacht für eine Always Ultra-Nacht. Ein Spiel mit Versatzstücken und Codes, geht es bei diesem 2 Unlimited-Sample doch ganz sicher nicht um eben jene Idee von „body“, die von den Baukasten-Dance-Acts der 90er so gerne beschworen wurde (Er so: kantig & cool; sie so: willig und lasziv; beide so: ganz schön unangezogen).

Die Körper, die diese Nacht bevölkern sind ganz anders: divers und unbedingt politisch, vielleicht queer und ganz schön solidarisch. Es sind die Körper von Jacky & Jack, die den GROOVE gepachtet haben. Makellosigkeit ist langweilig, Makellosigkeit hat Hausverbot. TOMOKO am Pult, die Ruder fest im Griff. Das Strobo knipst Bild für Bild aus dem zoologischen Garten der Nacht. Nachtfalter Fannylla / ein Rudel Tanztiere / die Konstanzer Flamingos. The Geklöppel continues, don’t stop, no sleep. Die totale Entgleisung. Ultra, as always.

AUF DER STRAßE. Mit den Mädels beim Abendessen, oder: Arbeitstreffen? Das hängt mal wieder von der Definition von Arbeit ab. Lust ja, Last nein. Wir treffen Ines, um die Details für diese Reportage zu klären. Ines macht die Bilder, ich Text, Fanny & Steffi sind: sie selbst, so gut das eben geht unter Beobachtung. Auch das ist Always Ultra: ein Netz inmitten eines Netzwerks.

 

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Besäße Fanny eine Visitenkarte, unter ihrem Namen müsste wohl „Kontakterin“ stehen. Wir essen Suppe, finden alles super, gehen ins Detail und darüber hinaus und am Ende ist alles mindestens so offen wie am Anfang, wenn nicht sogar noch offener. Eine Kunst, die die beiden perfektioniert haben: Ideen tauschen, ein Gewebe aus Themenfäden spinnen, überhaupt: spinnen!

Sich gegenseitig berauschen, an der Bar, auf der Bank, mit Inhalten und Schaumwein. Stimmungen evozieren, Meinungen gen-erieren, Haltungen provozieren. Projekt- spacelab Always Ultra. Oder nur -lab, ohne Space, weil das nie im luftleeren Raum staffindet, sondern immer mittendrin, ideell verbandelt mit befreundeten Kollektiven, schnapsverklebt und überschweng-lich/unzertrennlich mit dutzenden lokalen Tanzflurverdichtern und Nachtlebenagenten am Ende der Nacht. Die Crew als Reaktionsbeschleuniger, Druckkessel und Krabbelgruppe. Ziemlich nahbar. Und ziemlich nicht unverbindlich.

 

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AUF DEM SOFA. Siebzehnvierundfünfzig, mitteleuropäische Sommerzeit. Primetime mal wieder, aber das ist egal. Zeitkapsel Musikzimmer, raus mit der Sonne, rauf aufs Sofa. Virginia & Steffi auf dem Groove-Cover. Gutes Cover, sehr gutes Cover sagt Fannylla Ice, neben Tomoko die andere Hälfte des Always-Ultra-Teams und zuständig für alles, was mit Veranstaltungs-Organisation und – Durchführung zu tun hat. Das hat sie gelernt, von der Pieke auf. Und was sie noch nicht kann, bringt sie sich bei. Und was nicht beigebracht werden will, wird eben gelassen. Die Krücke zum Zepter machen, sich nicht permanent von angeblichen (Un-)Machbarkeiten die Zügel aus der Hand nehmen lassen, auch das ist Always Ultra. Nieder mit den Umständen.

 

 

 

 

Wenn sie sich hier treffen – und hier treffen sie sich oft – wird weniger über Feminismen geredet als das manch einer denken mag. Ist meist nicht notwendig. Ihr Ansatz ist vielmehr verinnerlichte Lebenspraxis als konstruiertes Theoriegebäude. Diskutiert werden darf natürlich dennoch gerne. Bereitwillig erzählen die beiden von den Fallstricken patriarchaler Nachtlebenstrukturen und den gar nicht mal so versteckten Anfeindungen und Dummdreistigkeiten einer Machismo-Kultur, die gerne an klischierten Rollenbildern und einer Vorstellung der „DJane“ (sic!) als Playlist-Pinup-Girl festhalten. Aber in erster Linie geht es den beiden um Musik und hier ist der Fokus klar: Der Sound, den TOMOKO nachts durch die Club-PA schickt ist schnörkellos, geradlinig und direkt. Hier geht es um Wucht, Wucht as in Walze, Wucht as in Beben. Sonischer Geröllhang [rutschend].

 

Die heimische Musiksammlung eröffnet interessanterweise einen Blick auf eine Sozialisation jenseits dieser harschen Form von Techno.
Frau Gudmundsdóttir winkt aus dem Klingklangbad und auch in dieser Geschichte haben Depeche Mode ihren Auftritt als Säulenheilige
einer anständigen Elektroniksozialisation. Die Zeitkapsel zeigt Wirkung. Draußen ist es dunkel. Ob schon, ob noch, wer weiß das schon?

Wir müssen jedenfalls los, die Nacht ruft.

*****

Konstanz, Dezember 2016.

 

Fotografie: Ines Njers | WE SUM collective
Text: Pfeffer | re-zeption.com

 

alwaysultrakonstanz@gmail.com

https://www.facebook.com/alwaysultrakonstanz

https://soundcloud.com/tomoko_alwaysultra


LAUTER LEBEN dokumentiert das Leben inspirierender Leute mit kreativem Background. Mit unserer neuen Blog-Serie „Lauter Leben“ wollen wir zukünftig hinter die Kulissen von Künstlern, Musikern, Kulturschaffenden und anderen „Freigeistern“ schauen. Der Einblick in den Alltag dieser Persönlichkeiten soll authentische Impressionen von unterschiedlichsten Lebensstilen bieten. Dabei halten wir fest was das Leben für sie ausmacht, um auch euch zu inspirieren „lauter und vielfältiger zu leben“ bzw. die eigenen Träume und Leidenschaften zu verwirklichen!


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